Georegion
Digitale Exkursionen (3)

 (1) Der Altdorfer "Marmor"

Das Gestein der Grabplatte von Johann Friedrich Bauder
- kein anderes hätte an dieser Stelle Sinn gehabt!

Die Stadt Altdorf beherbegte einst die Hochschule der Reichsstadt Nürnberg. Die im Jahr 1575 als Akademie gegründete Einrichtung erhielt 1622 den Status einer Universität - die Stadt Nürnberg musste dem damaligen Kaiser Ferdinand II.für diese Aufwertung neben anderen Zusagen 25.000 Gulden bezahlen. Bis zur Auflösung im Jahr 1809 war sie vor allem im 17. und frühen 18. Jahrhundert Anziehungspunkt für Studenten, wobei Namen wie Gottfried Wilhem Leibnitz neben solchen wie die des in der wissenschaftlichen Welt weniger angesehen Rabauken Wallenstein stehen.

Die Universität Altdorf wie viele andere Gebäude der Stadt sind aus dem Sandsteinen des Rhät und Untersten Lias errichtet. Die Aufmerksamkeit der frühen Geologen galt aber schon bald den besonders fossireichen Gesteinen des Posidonienschiefers.

In Altdorf wurden erste bedeutende Schritte zur Entwicklung der Geologie gemacht. Die noch in Latein verfasste Oryctographia Norica - die Fossilien- und Mineralienkunde des Nürnberger Territoriums - aus dem Jahr 1708 ist das in dieser Hinsicht bemerkenswerteste Werk. Ihr Autor, der Universitätsprofessor Johann Jacob Baier (1677-1735), konnte dabei von den auf den an Versteinerungen reichen Formationen des in der Stadt und ihrer Umgebung anstehenden Schwarzen Juras, insbesonderen dem Posidonienschiefer, profitieren. In den Tafeln seines Werks findet man Ammomiten und Saurierwirbel, die aus dieser für die Paläontologie so bedeutenden Schicht stammen.

Die Aufmerksamkeit für die Fossilien des Altdorfer Region erfuhr einen gewaltigen Impuls, als sich Johann Friedrich Bauder (1731-1791) um das Jahr 1740 entschloss, die in der Umgebung anzutreffenden, fossilreichen Kalkgesteine als "Marmor" in den Handel zu bingen. Die Umsetzung dieses Plans erforderte durchaus eine gewisse Hartnäckigkeit, denn das Gestein war nicht in üppiger Weise anzutreffen. Tatsächlich handelte es sich nur um eine einzige, maximal wenige Dezimeter mächtige Gesteinsbank, deren Qualität zudem von Ort zu Ort recht unterschiedlich sein konnte. Bauder selbst berichtet in einem 1754 veröffentlichten Büchlein über die Anstrengungen, für seine Zwecke brauchbare Vorkommen zu finden. Weil damals - wie heute auch - natürliche Aufschlüsse kaum vorhanden waren, mussten Gräben und Gruben aufgeschürft werden - in den Feldern zwischen Hagenhausen, Gnadenberg und Altdorf konnte er schließlich hinreichend Material finden.

Das Familiengrab Bauders im Altdorfer Friedhof
Die an der Wand fixierte Platte ist aus dem Altdorfer Marmor.
Siehe auch den vergrößerten Ausschnitt ganz oben.


Die Grabplatte Bauders


Detail-Ansicht der Grabplatte
Belemniten-Anschnitte sind besonders gut erkennbar
>> vergrößern


Die Grabplatte Bauders dokumentiert allerdings auch die unterschiedliche Qualität des "Marmors". Die Ammoniten sind hier nicht gut erhalten und mitunter nur unscharf erkennbar. Das ist natürlich zum einen die Folge der im Freien wirkenden Verwitterung - doch zugleich sind die Querschnitte der Belemniten scharf und deutlich. Der Grund für diese unterschiedliche Erhaltungszustände liegt darin, dass die Ammoniten hier nicht mit Calcitkistallen ausgefüllt sind, sondern mit Tonschlamm. Dieser Schlamm hat die Gehäuse der toten Ammonitem schon bald nach ihrer Ablagerung ausgefüllt, so dass der Hohlraum in der Folge nicht mehr mit erst langsam kristallisierndem Calcit geschlossen werden konnte.


Altdorfer Marmor mit überwiegend mit Calcit ausgefüllten Ammoniten-Gehäusen
Friedhof Altdorf

Detail aus der oben abgebildeten Platte

Das Erscheinungsbild des Altdorfer Marmors ist stark von der Exposition der Platten abhängig: während in Innenräumen befindliche Platten ihre dunkle Grundfärbung bis heute bewahrt haben, haben die unter freiem Himmel unter dem stärkeren Einfluss der Atmosphäre durchweg eine bräunliche Färbung angenommen.

Die ursprüngliche dunklen Farben werden durch fein verteilten Pyrit (Eisensulfid FeS2) verursacht. Diese Mineral entstand beim bakteriellen Abbau der im Sediment enthalten organischer Reste unter Sauerstoff-Mangel. Nun der an Sauerstoff reichen Atmosphäre ausgesetzt, oxidiert das Eisensulfid zu sauerstoffhaltigen Verbindungen - im Grunde verrostet das Gestein. Die unterschiedliche Fortschritt dieser Verrostung zeigt, das nicht allein der verfügbare Sauersztoff, sondern auch die im Freien wirksame Wechsel von Durchfeuchtung und Austrocknung von wesentlicher Bedeutung sind.

Epitaph aus Altdorfer Marmor in der Kirche von Berg.
Die urspünglich dunkle Färbung des Gesteins ist weitgehend erhalten.

Der Altdorfer Marmor - oder auch Baudersche Marmor - wurde zu vielerlei Gegenständen verarbeitet. Tabakdosen, Platten als Einlagen in Möbel, Epitaphien, Grabsteine, Taufsteine. Letztere stellten eine der größeren Herausforderungen dar, weil man dafür nicht nur größere Flächen, sondern zugleich auch dickere Stücke benötigte. Der Taufstein in der Altdorfer Kirche ist aus diesem Grund zugleich ein kleinräumiges geologisches Profil durch den Marmor. Dabei wird sichtbar, wie begrenzt die Mächtigkeit der Ammonitenlage ist.

Taufstein in der Altdorfer Kirche



 (2) Die Kirche in Berg

Kirche Berg - Aufnahme 2010

In der Kirche von Berg greifen die Verzierungen der Sitzbänke das Spiralmuster der Ammoniten auf. ist. Wir wissen nicht, ob das eine bewusste Thematisierung oder mehr eine zufällige Schöpfung war. Der im Hintergrund an der Wand hängende Epitaph ist auf dieser Seite - weiter oben - in Groß zu sehen.

Kirche Berg, Aussenbereich: Ammoniten-Kalkbänke

Die Außenmauer der Kirche ist zum großen Teil aus den ammonitenreichen Kalkbank der Posidonienschichten errchtet. Auch hier sind unterschiedliche Qualitäten zu finden. An der oben abgebildeten Stelle sind die Ammonitengehäuse durchweg mit groben Calcit ausgefüllt.

Der Betrachter muss allerdings damit leben, dass er die Ammoniten nur in Querschnitten sehen kann. Sofern die Steine beim EInbau nicht auf den Kopf gestellt wurden, geben sie im Grunde geben die an der abgebildeten Stelle eingesetzten Blöcke die Fundsituation bzw. die natürliche Ablagerungfolge wieder.


  (3) Der Kanal-Durchstich bei Dörlbach

Blick von der Brücke auf den Kanal
An der Böschung sind die Posidonienschichten zu sehen

Die Renovierung der Kanalböschung gab Geologen die Möglichkeit, den Aufbau der Posidonienschiefer-Formation im Detail zu studieren. Eine Zusammenfassung dieser Ergebnisse wurde von Gernot Arp (2014) veröffentlicht. Das von ihm und seinen Mitarbeitern erarbeitete Schichtprofil ist vor Ort auf einer Infotafel wiedergegeben.


Detail: Der noch frische Aufschluss mit Papierschiefer-Blättern



Der Schädelfund aus dem Jahr 1841
Ausschnitt der vor Ort setehenden Infotafeln

Großes Aufsehen erregte der bei den urspünglichen Bauarbeiten im Jahr 1841 geborgene Schädel eines Sauriers. Der Fund wird der Fischsaurer-Gattung Temnodontosaurus zugeordnet, was "Schneidezahn-Saurier" bedeutet. Das Reptil gilt als der Apex-Predator des Lias-Meeres - allein der Schädel ist 1,6 m lang - das Original ist im Markgarfenmuseum in Ansbach, eine Kopie in Burgthann zu besichtigen.
 Hier geht es zurück zum Exkursions-Verzeichnis:

>> zurück zum Exkursionserzeichnis

Mitarbeiter/Autoren

Diese Website und Beitrag wurde im Rahmen des Kurses "Ein Geologie-Führer für die Region" an der NHG Nürnberg im August 2019 konzipiert. Mitwirkende waren:
Sigrid Becher, Peter Blätterlein, Bettina Franke, Waltraud Herbst, Ludmilla Konradi, Brigitta Meier, Reinhard Pimmer, Gabriele Prasser, Hermann Schreiber, Hans Stuhlinger, Martin Weber, Ulrike Williams, Manfred Zimmermann - Leitung: Dr. Gottfried Hofbauer
Koordination und Redaktion: Dr. Gottfried Hofbauer